Das Dunkle als Nährboden für das Helle - was mir hilft, wenn die Zuversicht fehlt
“Es kommt schon gut!” Das überzeugt mich mehr schlecht als recht. Was mir in schwierigen Momenten wirklich hilft, ist das, was ich in meinen Purpose-Coachings immer wieder gesehen habe: Aus schwierigsten Umständen und Erlebnissen wachsen wundervolle Fähigkeiten.
Der richtige Druck: Wie aus Schwierigem etwas Schönes wächst
Ok, das mag zynisch klingen. Natürlich wünsche ich deshalb niemandem Schwierigkeiten, aber je länger je mehr wächst in mir folgendes Bild: Um zu wachsen, an etwas zu wachsen, braucht es einen gewissen Druck und dann kann aus Schwierigen Genialität, Wunderschönes und Lichtvolles entstehen.
Es braucht allerdings den richtigen Druck. Wie ich damals an der Kaospilot University gelernt habe, braucht es genau die richtige “Menge” Druck im Untergrund, um einen Diamanten entstehen zu lassen. Bei zu wenig entsteht Graphit. Bei zu viel entsteht Kohlenstaub (wobei da vielleicht ein Geologe daran zweifeln würde, aber so wurde uns das damals vermittelt). Bei der richtigen Menge: ein funkelnder Diamant.
Das Bild wurde als Leitbild gebraucht, um zu erklären, dass wir als Kaospiloten in Ausbildung die richtige Menge an Herausforderung und Druck brauchten, um zu wachsen.
Zu viel Druck kann einen Menschen brechen. Zu wenig holt uns nicht in unser Potenzial.
Für mich ist auch die japanische Kintsugi-Tradition verwandt mit dieser Sicht auf Verletzungen und Schwierigkeiten. Aus den Scherben eines Gefässes entstehen durch Gold und Urushi-Lack wahre Kunstwerke. Dabei wird das Schwierige integriert und in pure Schönheit verwandelt.
Von der eigenen zu den globalen Krisen
Neben persönlichen Krisen gibt es die globalen Krisen, die uns täglich vor Augen geführt werden. Da fällt es mir zunehmend schwer, zuversichtlich zu bleiben.
Kürzlich habe ich allerdings einen Artikel im Magazin “evolve” gelesen, der mir einen neuen Blick auf das Weltgeschehen gegeben hat, der mir sehr verwandt scheint mit meinen Beobachtungen bei Kund:innen, dass ihr Purpose mit seinen besonderen Talenten einen direkten Link zu Schwierigkeiten und speziellen Herausforderungen in ihrem frühen Leben hat.
Und zwar wird dabei beschrieben, wie aus der “dunklen” Epoche des Mittelalters die Aufklärung entstand, mit ihrem Fokus auf den Verstand und das Rationale. Das war ein Gewinn nach einer Zeit, in der Aberglaube und Vorsehung das Weltbild prägten – Engel, Dämonen und Heilige galten als real, und alles wurde als von Gottes Hand gelenkt gesehen. Nun hat sich der Fokus auf den Verstand völlig überschlagen und es scheint, als ob er das einzige ist, was zählt. (Glaubt mir, ich schätze die Wissenschaft und ihre vielen Errungenschaften enorm, das ist klar.) Nun scheint mir aber, dass etwas aus der Balance geraten ist. Im Text wird es als “Zerrbild des Lichts der Vergangenheit” beschrieben, also wieder eine Art Verdunkelung unseres Zeitalters. Konkret verwandelt die markt- und technologiegetriebene moderne Welt ethische und moralische Werte in monetären Wert und macht unser Leben zu einer Bilanz. Was nicht produktiv ist, hat keinen Wert, Feines wie die Intuition hat keinen Platz.
Das Hoffnungsvolle ist, dass daraus wieder Erkenntnisse wachsen und wieder Wunderschönes entstehen kann. Diese Betrachtungsweise hilft mir, auch das Schwierige anzunehmen.
Ich wähle oft bewusst, das Dunkle als Nährboden für das Helle zu sehen – so kann ich es für mich positiv einordnen.
Natürlich könnte man das Bewerten auch ganz lassen, und manchmal gelingt mir das. Aber oft auch nicht. Die Einladung ist wohl: mich immer wieder neu dafür zu entscheiden, worauf ich meinen Blick richte.
Klar: viele Veränderungen auf dem Planeten sind unumkehrbar und das macht mich sehr traurig. Gleichzeitig gibt es da eine Zuversicht, dass dies auch wieder der Nährboden für so viel Wunderbares ist.
Was diese Haltung nicht bedeutet
Damit meine ich nicht: nehmt alles an, wehrt euch nicht, sucht und kämpft nicht. Im Gegenteil, da entsteht in vielen Fällen eben genau dieses Helle aus dem Dunklen.
Wem das jetzt eine Spur zu wenig konkret ist, dem erzähle ich gerne ein Beispiel aus meinem Coaching-Alltag, das zeigt, wie aus “niemand versteht mich” und einem Gefühl der Frustration über die Welt Freude und sprühende Kreativität wird.
Eine Geschichte aus dem Purpose-Coaching
In meiner Arbeit erlebe ich oft, was möglich wird, wenn “jemand in seine Kraft kommt”. Ich weiss, ein schrecklich abgenutzter Begriff, aber ich meine ihn wirklich. Lass mich dir folgende Geschichte von einem Kunden erzählen: er hatte eine besondere Gabe, in gewöhnlichen Projekten das Feuer zu entfachen: er sah grosse Möglichkeiten und dachte weit über das hinaus, was seine Arbeitgeber oder Kund:innen sahen. Das wurde aber nicht geschätzt und auch er sah den Wert und seine besonderen Talente vor unserer Zusammenarbeit nicht so deutlich.
Durch unsere Zusammenarbeit wurde sein Purpose mit all seinen Facetten glasklar sichtbar und damit auch, dass nichts an ihm falsch war - nur sein Umfeld, das nicht das richtige war für ihn.
Nach einem Wohnortswechsel und dem Schritt in eine neue Positionierung in der Selbständigkeit ist er nun ausgebucht mit vielen Projekten, in denen genau seine Fähigkeiten gefragt sind.
Es stimmt mich mit enormer Zuversicht, solche Richtungswechsel in Lebenswegen mitzuerleben.
Auch sehe ich, wie so die Zuversicht in meinen Kund:innen reift. Sie gewinnen Vertrauen in sich und tun mehr von dem, was wirklich zu ihnen passt. Auch geraten sie dadurch in Verbindung nicht nur mit sich, sondern auch mit anderen um etwas gemeinsames Sinnvolles herum.
Ich glaube, das ist die beste Absicherung gegenüber einem Ohnmachtsgefühl und fehlender Zuversicht.
Was hilft, wenn die Zuversicht fehlt
Mein Rat in aller Kürze ist also:
Werde dir bewusst, was für dich zutiefst erfüllend und sinngebend ist und was dir Freude macht. Tu es. Verbinde dich darüber mit anderen.
So wird der Weg sichtbar, indem du ihn gehst. Und so entsteht aus ehemals vielleicht ganz Schwierigem etwas ganz Schönes. Räume, die du kreierst. Produkte, Verbindungen, Angebote - was auch immer.
Damit wird auch das Schwierige in der Welt, das wir nicht ändern können, besser annehmbar. Wir tragen dort bei, wo wir unser Bestes geben können und erleben uns als wirksam und erfolgreich. Ja, so bringen wir das Helle in die Welt.
Im Flow verschwindet die Frage
Noch ein letzter Gedanke: wenn wir uns auf dem Purpose-Weg befinden, entstehen oft Flow-Momente, wo wir ganz aufgehen in dem, was wir gerade tun. Wir denken nicht an die Zukunft und auch nicht an die Vergangenheit.
Wir sind einfach im Jetzt vereint in unserem Tun. Dann gerät die Frage nach der Zuversicht in den Hintergrund und diese Erfahrung hilft uns vielleicht am allermeisten.
Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade "Zuversicht in schwierigen Zeiten" von Pia Hübinger. Herzlichen Dank Pia für die Einladung, diesen Gedanken nachzugehen!
PS. Ich schreibe komplett selber. KI nutze ich teils zur Recherche und gegebenenfalls mal zur Strukturierung von Gedanken oder für einen Rechtschreibe-Check.
Ich merke, dass bei mir beim Lesen zurzeit immer der Gedanken mitläuft: Hat er*sie das selber geschrieben? Sind das ihre*seine Gedanken? Falls du auch so tickst: du kannst entspannen. Es ist alles von mir.
Ich bin in diesem Fall wohl auch etwas abergläubisch: Ich will mit meinen Worten berühren und bilde mir ein, das ich das besser kann als eine KI. Ich kann mich täuschen, aber ich will das Risiko nicht eingehen. Aufs Berühren will ich nicht verzichten - es ist zu wichtig.