Purpose und die Rush hour des Lebens – meine persönliche Anleitung, mit dieser wilden Zeit zurecht zu kommen
Lange hatte ich das Gefühl «Alles ist noch möglich in meinem Leben» und ich stellte mir vor, wie ich in jedem Alter noch bereit sein wollte, einen Neuanfang zu machen: eine Ausbildung, ein Umzug ins Ausland - und das womöglich alles gleichzeitig. Dann kam die Rush hour des Lebens und darauf war ich nicht vorbereitet. Mit Kindern, Selbständigkeit, Angehörigen mit gesundheitlichen Herausforderungen, meinen unverändert breiten Interessen und Engagements – unmöglich da nicht zu scheitern.
Darum: wie schlägt man sich da einigermassen durch? Vielleicht auch so, dass es doch freudvoll ist und nicht nur eine einzige Überlastung? Wie kann ich entscheiden, was für mich Priorität hat? Und wie kann ich mit einiger Sicherheit sagen, dass ich mal zufrieden auf mein Leben zurückschaue, weil ich meine Zeit gut investiert habe? Was kann ich ganz konkret tun, wenn ich jetzt doch in Panik verfalle darüber, was ich eigentlich gerne alles tun würde, aber meine knappen Zeitressourcen sehe (was mir gerade heute beim On-the-way-to-new-work-Podcast hören passiert ist).
Mein Rezept:
Mir hilft Achtsamkeit + Ausrichtung auf meinen Purpose + eine gute Prise Mitgefühl mit mir selbst.
Nun, was heisst das konkret?
1) Ich nehme mein Gefühl wahr. Ich benenne es (z.B. der Anflug von Panik). Vielleicht begrüsse ich es («ah, da bist du wieder, du altbekanntes Gefühl…»)
2) Ich rufe mir in Erinnerung, was mir wichtig ist. Also, was mir wirklich, wirklich wichtig ist und womit ich meine Zeit verbringen will.
Ich gehe es in Gedanken durch. Das geht ganz kurz.
Dann realisiere ich, was ich halt nicht machen kann, zumindest jetzt nicht. Aber auch, wofür ich Platz habe in meinem Leben.
3) Ich anerkenne, dass es ganz vielen so geht und dass dieses Problem nur zu einem Teil mit mir zu tun hat. Mein Einfluss ist begrenzt, denn Vieles hat mit strukturellen Rahmenbedingungen zu tun.
Bonus: Manchmal denke ich dann noch einen liebevollen Gedanken, den ich auch einer Freundin in so einer Situation sagen würde (z.B. Hey ja, das ist wirklich nicht leicht. Ich verstehe das so gut.) Oder ich frage mich, was ich mir Gutes tun könnte. (Credit: Der 3. Punkt mit Bonus ist frei nach Kistine Neffs Prozess für Self-Compassion).
Das klingt jetzt nach langem Prozess, geht aber wenige Sekunden, wenn es eingespielt ist. Das Resultat ist eine neue Sicht, die mich entspannt – und der Anflug von Panik verfliegt wieder so schnell er gekommen ist. Wie reitest du die wilden Wellen dieser Zeit? Was hilft dir?